Mein Problem mit dem #EqualPayDay

#EqualPayDay

Ich bin heute drüben bei Twitter mit einem Rant in den Tag gestartet. Und wie sich herausstellt, ist (mir) das Thema zu wichtig, um dort unterzugehen. Es folgen hier also meine Gedanken zum Equal Pay Day, und worin ich die Lösung des Dilemmas sehe. Here we go.

tl;dr Am Ende geht es nur bedingt darum, warum Frauen so viel weniger verdienen, sondern warum es wichtige Berufsgruppen gibt, die weit unter Wert bezahlt werden, unabhängig vom Geschlecht der darin arbeitenden Personen.

Sie sind nicht tot zu bekommen. Schauen wir uns also wieder einmal an, wie die 21% zustande kommen und wo die tatsächlichen Probleme liegen, und warum „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ein zumindest sehr verkürzter Schlachtruf ist.

Die 21% beziehen sich auf alle Frauen und Männer über alle Berufe verteilt. Hier werden also VW-Manager mit Aldi-Kassenkräften verglichen. Um eine Vergleichbarkeit zu bekommen, muss man die gleichen Berufe miteinander vergleichen. Tut man das, landet man bei ca. 7%.

Learning 1: Frauen ergreifen öfter Berufe, die geringer bezahlt und weniger gesellschaftlich wertgeschätzt werden.

Weiter im Text: Wie kommen also diese 7% zusammen? Hauptsächlich durch Berufserfahrung. Klingt zu einfach, oder? Schauen wir mal …

Frauen in den selben Berufen werden vor allem dann geringer bezahlt, wenn sie Ausfallzeiten und dadurch weniger Berufserfahrung haben. Zu diesen Ausfallzeiten gehören auch Schwangerschaften und Elternzeit. Kinderlose Frauen zum Beispiel verdienen tatsächlich nicht weniger.

Es ist also eine Folge z.B. schlechter Kinderbetreuung oder von Männern, die keine Elternzeit nehmen, aus welchen Gründen auch immer.

Learning 2: Wir brauchen dringend eine bessere Kinderbetreuung und mehr Männer, die sich persönlich für eine Elternzeit entscheiden.

Persönliche Entscheidungen! Keine strukturelle Benachteiligung in diesem Bereich.

Und zack, sind auch die 7% weg.

Also alles gut?

Nein. Denn abgesehen von Berufswahl und von persönlichen Entscheidungen wird versucht, gegen die vermeintlichen Unterschiede gegenzusteuern. Doof nur: Diese Maßnahmen kommen vor allem den Frauen zugute, die ohnehin kein Paygap haben, siehe oben.

Im Resultat reduziert sich vielleicht die Paygap insgesamt, aber eben nur, weil die paar in der Spitze ein paar an der Basis ausgleichen. Die Schere innerhalb der Gruppe der Frauen geht also weiter auseinander. Die eigentlichen Probleme bleiben.

Weiterer Effekt: Paare, die entscheiden müssen, wer weiterarbeitet, wenn sie ein Kind bekommen, glauben das und geben dem Mann den Vorzug. Und damit wird aus einer dummen Zahl ein Mittel, um die Gap weiter zu erhalten. Toll! Nicht.

Was also tun?

1. Fragen wir uns vor allem, warum Frauen häufiger schlecht bezahlte Berufe ergreifen.
2. Wie können wir das Problem mit der Kinderbetreuung lösen?
3. Welche Rolle spielen dabei auch Großeltern, und nicht nur Fremde?
4. Wie kommen wir von Scheindiskussionen a la „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ weg?
5. Warum gibt es eigentlich Berufe, die so viel schlechter bezahlt sind, obwohl sie ähnlich wichtig sind? Individuell und gesellschaftlich?

(Die Fakten habe ich über die letzten Jahre gesammelt. Quellen folgen, kann aber aus diesem Grund ein wenig dauern.)