Postpaidvertrag mit Inklusivpaket

Elbblick. Fotomotiv.

Digitalpuls und Analogjunkie

Ich bin nahezu den ganzen Tag in irgendeiner Form online, und in meiner Freizeit produziere ich Mediencontent, der später ebenfalls online landet. Selbst auf meinen Ausflügen ins Real Life denke ich in manch ruhigen Momenten über Dinge nach, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit diesem Internet zu tun haben. Dem HSV folge ich überwiegend digital, wenn nicht gerade ein Heim- oder Auswärtsspiel ist, das ich mir vor Ort anschauen kann. Und die NY Giants kann ich eh nur am Lichtwellenleiterpuls verfolgen.

Auf der anderen Seite genieße ich es, wenn ich in Funklöchern bin. Wenn der Akku leer ist. Wenn das Smartphone mal in der Tasche bleibt, weil es doch interessante Menschen in meinem Leben gibt, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Rede. Diskutiere. Oder einfach nur mal schweige. In solchen Augenblicken kann ich tatsächlich die Onlinewelt vergessen und den Moment genießen. Nur um anschließend die neu aufgelaufenen Mails und Benachrichtigungen abzuarbeiten.

Elbblick. Blog.Tempowechsel

Warum also noch ein neues Blog?

Beim Elbblick geht es darum, möglichst zeitnah zu irgendwelchen Ereignissen einen Artikel rauszuhauen. Zu Dingen, die mir im Alltag über den Weg laufen. Lustigen Videos, Künstlern, Technik, you name it. Sachen, die ich nicht vergessen will, die aber teilweise so marginal sind, dass sie im Rauschen untergehen würden. Die Halbwertszeit der Informationen darin ist dann auch entsprechend. Vielleicht wäre die Bezeichnung „Lesezeichen“ statt Blog die korrektere.

Mir für einen Artikel Zeit nehmen – das konnte ich so wirklich das letzte Mal vor mehreren Jahren. Ich schreibe jetzt seit beinahe 15 davon in dieses Internet. Am Anfang waren es tatsächlich Texte, an denen ich länger arbeiten konnte. Stunden. Tage. Manchmal sogar Wochen. Das habe ich ein wenig verloren zwischen Studium, Arbeit und Überleben. Das will ich wieder haben. Auch wenn es mich einen Teil meiner Offline-Zeit kostet.

Laufzeitvertrag

Das Leben ist im Grunde genommen ein Postpaidvertrag mit Inklusivpaket für die Zeit, die einem auf dieser Welt vergönnt ist. Postpaid, weil die Konsequenzen des eigenen Handelns verschiedene Kosten oder auch Gutschriften verursachen. Inklusivpaket, weil einem unter normalen Umständen ne Menge Jahre zum Verbrauch zur Verfügung stehen, ohne dass sich die Kosten nennenswert erhöhen.

Meine Lebenserwartung lag zum Zeitpunkt meiner Geburt mal irgendwo bei Mitte 70. Unter der Annahme, dass ich ein paar Jahre durch meinen Lebenswandel eingebüßt habe, ist es eine gut abschätzbare Sache, dass ich inzwischen den Zeitpunkt für meine Midlifecrisis erreicht habe. That being said, bin ich momentan dabei, meinen Alltag in geordnete Bahnen zu lenken. Dazu gehört auch mein Blogverhalten.

Für die Artikel hier will ich mir Zeit nehmen. Stunden. Tage. Oder auch Wochen. Ich will sie in Ruhe schreiben. Überarbeiten, wenn nötig. Es geht hier natürlich um Dinge, die mich interessieren. Um Sachen, die ich für spannend halte. Aber vor allem geht es um ‒ mich.

ICHPM

Ich werde gelegentlich als Zyniker wahrgenommen. Etwas einfach gestrickt, mit wenig ausdifferenzierten Meinungen und Gedankengängen. Oberflächlich, leicht zu beeinflussen, impulsiv. Ein Mensch, der Entscheidungen aus der Hüfte trifft, der mit Schubladen arbeitet und eine schwarz-weiße Sicht hat. Jemand, den man letztlich nicht gerne um sich hat. Weil er sich verstellt, weil er arrogant wirkt, weil er in den Mittelpunkt drängt. Viel redet, wenig sagt. Und vor allem: Nicht mal zu der Hälfte der Dinge in der Lage wäre, die er machen möchte.

Es gibt wenige Leute, die sich die Mühe machen, einfach mal nachzuschauen, was dahinter steckt. Und in gewisser Weise ist das durchaus ein von mir erwünschter Effekt. Ich mag Menschen, die genauer hinschauen. Die ein gutes Gespräch zu schätzen wissen, auch wenn man mal nicht einer Meinung ist. Die mich fordern. Die mir intellektuell tatsächlich gewachsen sind ‒ was nicht mal zwingend einen großen Intellekt voraussetzt. Denn auch meiner ist nicht wirklich überbordend. Es setzt etwas anderes voraus: Neugier. Beharrlichkeit. Den aufrichtigen Wunsch, mich kennen zu lernen.

Digitale Emotionen

Ich habe vor Ewigkeiten mal ein Essay zum Thema „Unzulänglichkeiten der schriftlichen Kommunikation“ geschrieben. Leider bleibt es verschollen, egal, wie sehr ich danach suche. Das ist schade, denn letztlich hab ich da alles zusammengetragen, was sich im Schriftlichen nur sehr umständlich kommunizieren lässt. Und auch, wenn sich das in dem Fall nur auf den Austausch von Nachrichten in Chats und E-Mails bezog, denke ich, dass es auch für Blogeinträge eine gewisse Gültigkeit hätte.

Unterm Strich weiß ich dann aber selbst nicht, was mich zu diesem Blog am Ende motiviert. Vielleicht doch der Wunsch, dass mehr Menschen verstehen, dass es eben nicht nur das arrogante Arschloch mit minimaler Aufmerksamkeitsspanne gibt, dessen Aktionen keinem nachvollziehbaren Schema folgen. Sondern dass eben doch das eine oder andere nicht Ausgesprochene hinter eben diesen Handlungen steht.

Oder es ist ein weiteres Experiment, und ihr seid alle meine Labormäuse.